Landschaften, Wetter und Klima in Apulien & Gargano
Anders als in den meisten Regionen Italiens ist Apuliens Land-schaft nicht unmittelbar
vom Apennin und seinen Ausläufern geprägt. Der Apennin, das geomorphologische Rückgrat
des Lan-des, weicht vor Apulien zurück und knickt nach Süden ab. Nur 1 % der Gesamtfläche
Apuliens ist gebirgig, ansonsten formt sich die
Landschaft aus karstigem Hügelland
(45 %) und sanften Tief-ebenen (54 %). Zwei Meere, das Adriatische und das Ionische,
säumen eine fast 800 km Lange Küstenlinie, die sich abwechselnd flach und sandig
oder wild zerklüftet zeigt. Mit durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr, einem heißen
Sommer, angenehm milden Frühlings- und Herbstmonaten, einem kurzen, nahezu frostfreien
Winter und geringen Niederschlagsmengen gehört Apulien zu den wärmsten Zonen Europas.
Für klimatische Turbulenzen sorgen nur die unberechenbaren Winde.
Für allzu nüchterne Geologen besteht Apulien lediglich aus einer gewaltigen Kalksteintafel,
die im Lauf der erdgeschichtlichen Ent-wicklung verkarstet ist. Flüsse im Sinn von
ständig wasser-führenden Strömen gibt es - bis auf den Ofanto - keine. Das hört sich
steinig und trocken an, klingt nach einem kahlen, durch-lässigen Boden, in dem alles
Wasser sofort versickert. Doch dunkelrote Erde, ein Verwitterungsprodukt der Karstbildung,
hat
sich wie ein dünner, aber fruchtbarer Teppich über den steinigen Boden gelegt;
und die unzähligen Wasserläufe, die sich immer nach starken Regenfällen bilden, haben
die Entstehung der Schwemmlandebenen begünstigt. Von Norden nach Südosten lässt sich
Apulien grob in vier charakteristische geografische Gebiete unterteilen, den Gargano,
den Tavoliere, die Murgia (auch Murge genannt) und den Salento.
Der Gargano bzw. II Promontorio del Gargano (Promontorio = Vorgebirge) wird von einem
mächtigen Kalksteinmassiv gebildet, das bis auf eine maximale Höhe von 1.000 m ansteigt.
Wie eine Halbinsel ragt dieser Sporn des italienischen Stiefels weit ins Adriatische
Meer hinein. Rein geologisch gehört das Gebiet zum gegenüberliegenden Festland. Die
wellige Kalktafel steckt voller landschaftlicher Überraschungen. Einen Höhepunkt
dieses 1991 zum Nationalpark erklärten Gebiets bildet die Foresta Umbra, ein letzter
Rest des einstigen apulischen Urwalds. Die vegetationsreiche Küste der Gargano-Halbinsel
ist weitgehend zerklüftet und offenbart sich als Baderevier allererster Ordnung.
Schon hier kann man sich den apulischen Urlaubstraum voll erfüllen.
Der Tavoliere erstreckt sich als sanfte Tiefebene um die Provinzhauptstadt Foggia
und stößt am Golf von Manfredonia ans Meer. Diese 3.000 qkm große Ebene ist die grate
zusammenhängende landwirtschaftliche Nutzfläche Apuliens. Nahezu menschenleer und
extensiv bewirtschaftet, stellt der Tavoliere eine der wichtigsten Vorratskammern
ganz Italiens dar. Der spröde Reiz dieser monotonen Agrarlandschaft liegt in der
Mischung aus dunklen Erdfarben und blühenden Feldern unter blauem Himmel.
Die Murgia, das apulische Kernland, offenbart sich als sehr abwechslungsreiche und
fruchtbare Karstlandschaft. Die Hoch-Murgia, das auf mehrere hundert Meter ansteigende
Hinterland der Provinz Bari, ist stark zerklüftet und wird von Gravine, langen canyonartigen
Schluchten durchzogen. Diese Erosionstäler sind während der letzten Eiszeit entstanden.
Die Höhlen- und Grottenbildungen der Murgia erklären sich aus den geologischen Eigenschaften
des Karstbodens. Die zahlreichen Schluchten und Höhlen des apulischen Kernlandes
waren lange Zeit natürliche Zufluchtsstätten der Bevölkerung. Zur Küste hin flacht
die Murgia stufenweise ab und wird immer fruchtbarer. Die dicht besiedelte Costa
di Bari ist ein ertragreiches Bauernland mit uralten Olivenpflanzungen. Die mit Abstand
schönste Kulturlandschaft Apuliens, das Valle d'Itria, das berühmte Trulli-Land,
offenbart wie kein anderes Gebiet die Fruchtbarkeit der apulischen Karstregion.
Der Salento (salentinische Halbinsel) besitzt zwei unterschiedliche landschaftliche
Gesichter. Im Nordwesten von Lecce erstreckt sich der flache Tavoliere di Lecce,
ein bis auf den letzten Zentimeter erschlossenes Landwirtschaftsgebiet mit den graten
Weinfeldern der Region. Die salentinische Murgia südlich von Lecce bildet im Binnenland
einen auf maximal 200 m ansteigenden Karstrücken. Dieser äußerste Zipfel Apuliens
ist steinig, vegetationsreich und dicht besiedelt zugleich. Die salentinische Küstenlandschaft
zeigt sich an ihrer adriatischen Seite felsig und zerklüftet, bricht aber am ionischen
Ufer zunehmend auf und wird immer badetauglicher.
Klima und Jahreszeiten: Früh endet der apulische Winter. Das Itria-Tal kündigt den
Frühling zuerst an; dann verwandelt sich diese herrliche Kulturlandschaft in ein
Farbenmeer aus Mandel- und Obstbaumblüten, und die rostrote Erde beginnt zu leuchten.
Das Frühjahr ist die Reisezeit für Genießer. Von Juni bis September herrscht der
Sommer, und die Temperaturen erreichen Spitzenwerte über 40 °C - Badesaison für ganz
Italien, auch die Schulferien beginnen bereits Mitte Juni und enden erst Mitte September.
Das subtropisch-mediterrane Klima Apuliens gerät durch die starken, unberechenbaren
Winde manchmal durcheinander. Gelegentlich streicht aus dem nahen Afrika der feucht-heiße
Wüstenwind Scirocco herüber und macht Mensch und Tier fast besinnungslos vor Hitze.
Aber auch ohne Scirocco ist im Hochsommer zwischen 13 und 16 Uhr kaum ein Mensch
auf den Straßen zu entdecken, dann sind die Fenster und Türen der Wohnhäuser zum
Schutz vor der Mittagsglut wirkungsvoll verrammelt. Ein kräftiger Wind der warmen
Jahreszeit ist auch der Libeccio, der aus südwestlicher Richtung weht. Bisweilen
pfeift aber auch der trocken-kühle Fallwind Bora aus nordöstlicher Richtung über
Apulien hinweg und fügt der Landwirtschaft zum Teil schwere Schäden zu. Erst im Herbst,
ab Ende Oktober, setzen die Niederschläge langsam ein, dann ist auf den Landstraßen
mitunter Vorsicht bei Überschwemmungen geboten.
Die kurzen Winter sind mild, mit Durchschnittstemperaturen von 6 bis 9°C über dem
Gefrierpunkt. Auf dem Gargano und in den Hochlagen des Hinterlandes fällt manchmal
Schnee. Es gibt aber durchaus überraschende Kälteeinbrüche im apulischen Kernland
- wie etwa im Februar 1993, als die Trulli-Dächer von Alberobello tagelang mit Schnee
bedeckt waren, oder im Januar 2002, als Tiefsttemperaturen in Verbindung mit extremer
Trockenheit Land und Leute peinigten. Wer also in den Wintermonaten unterwegs ist,
sollte sich immer vom Vorhandensein einer funktionierenden Heizung im Hotelzimmer
überzeugen.
(Quelle: Michael Machatschek - Apulien)