


Stand: 06.01.2009
Pio da Pietrelcina (Francesco Forgione, "Padre Pio")
Francesco Forgione wurde als Kind einer Bauernfamilie geboren. Er habe weniger als
andere Kinder gegessen und kaum geschlafen, schwere Fieberanfälle wie durch ein Wunder
überstanden. Im Alter
von 16 Jahren trat er als Novize den Kapuzinern in seiner Heimat
bei und erhielt den Ordensnamen Pio. Unter Mühen ob seiner angeschlagenen Gesundheit
-
Bald schon kamen die ersten Pilger zu Padre Pio in sein Kloster nach San Giovanni Rotondo und erlebten ihn bei seinen Messen wie der Wirklichkeit entrückt. Er wurde als Beichtvater zum "Apostel des Beichtstuhls", seine prophetische Gabe wurde weithin gerühmt, er zählte zu den größten Mystikern des 20. Jahrhunderts; die katholische Kirche distanzierte sich aber von ihm, bezeichnete ihn als "Hysteriker", verbot ihm sogar von 1922 bis 1934 das Lesen der Messe und das Beantworten von Seelsorgebriefen. Die Stigmata führten zu wiederholten, kirchlich angeordneten medizinischen Untersuchungen. Um die Wunden zu verbergen, trug Pater Pio meist fingerlose Handschuhe.
Die Menschen vertrauten Padre Pio; ab 1940 begann er, Leiden der Pilger durch Handauflegen
oder mit Worten zu lindern oder gar zu heilen. In den Armen, Leidenden und Kranken
sah er das Bild
Christi, besonders ihnen galt sein Werk der Nächstenliebe. Dem jungen
polnischen Priester Karol Woityla, dem späteren Papst Johannes Paul II., soll er
bei einem Besuch im Jahre 1947 sowohl die Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche
als auch das Attentat von 1981 vorher gesagt haben. Als Weihbischof von Krakau richtete
Karol Woityla in einem Brief an Padre Pio die Bitte, besondere Fürsprache für eine
an einem Krebsleiden erkrankte Familienmutter und Ärztin sowie für den Sohn eines
Anwalts aus seiner Diözese zu halten. Weitere Briefe schrieb ihm Woityla während
seines Aufenthaltes beim 2. Vatikanischen Konzil.
Interessant ist, wie sich die Reputation des charismatischen Kapuziners mit jedem
neuen Papst änderte: Benedikt XV. war eher skeptisch, Pius XI. wollte ihn beinahe
aus dem Priesteramt entfernen, Pius XII. hingegen war angetan von ihm. Johannes XXIII.
war offiziell ein erklärter Feind von Padre Pio, in privaten Aufzeichnungen schrieb
er 1960 sogar von dem "enormen, teuflisch geplanten Desaster der Seelen", das dieser
anrichte. Paul VI. war ihm wiederum ziemlich gewogen; mit Johannes Paul II. kam die
Wende, die Selig-
Von Spendengeldern ließ Padre Pio 1956 eines der modernsten Krankenhäuser Süditaliens bauen, das "Casa del Sollievo della Sofferenza", "Haus des Trostes der Leidenden" in San Giovanni Rotondo.
Heute gibt es in Italien über 2300 Gebetsgruppen, die sich an der Spiritualität von
Pater Pio orientieren, hinzu kommen weitere 400 Gruppen in aller Welt. San Giovanni
Rotondo ist heute die meistbesuchte Pilgerstätte für Hilfesuchende aus aller Welt:
7 Millionen Besucher kommen jedes Jahr, fast doppelt so viele wie zur Wallfahrtsstätte
von Bernadette Soubirous nach Lourdes, täglich werden
1 Million € umgesetzt. Nach
Entwürfen des Architekten Renzo Piano wurde hier 2004 eine große Kirche erbaut. Pater
Pio ist in Italien der mit Abstand beliebteste Heilige, Fernsehfilme über ihn haben
Rekord-
Kanonisation: 1999 wurde Pater Pio von Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz
in Rom -